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c: Pfarrer Martin HildWort zum Sonntag, 21.02.2021

von Pfarrer Martin Martin Hild, Münnerstadt

Tote Steine gibt es nicht

Ein schwerer Stein liegt in einem Zimmer eines meiner Kinder. Der Stein stammt vom Ätna. Er wurde von uns aufgelesen bei einem Tagesausflug auf einer Reise zu biblischen Stätten. Diesen Aschermittwoch hat mich meine Frau geweckt mit dem Hinweis auf die aktuellen Bilder aus den Nachrichten von einem Ausbruch des Ätna. Schön sehen diese Bilder aus, aber auch furchteinflößend. Die Lava führte dazu, dass die Hänge des Massivs in Sizilien sehr fruchtbar sind, aber für Menschen vor Ort ist es natürlich immer gefährlich. Schon Goethe wanderte auf den Höhen und fürchtete sich, von einem Wind gepackt und in die Tiefe des Kraters geworfen zu werden – oder zumindest seinen geliebten Hut zu verlieren. Diesen häufigen starken Wind auf dem hohen Berg hatten wir damals bei unserem Besuch auch gespürt.

Ein schwerer Stein liegt vielen Menschen gerade auf der Seele. Wann geht endlich die Zeit der Einschränkungen durch die Pandemie vorbei? In der Auferstehungskirche in Münnerstadt haben wir nach einer vorsichtigen Gottesdienstpause beschlossen, uns nun wieder präsentisch zu versammeln zum Eckstein des Glaubens, Jesus Christus. In der Mitte vorn steht bei den meisten Kirchen ein solcher „schwerer Stein“ aus echtem Stein, aus Holz oder Metall: der Altar. Es ist der Tisch des HERRN, der uns einlädt, mit Ehrfurcht vor Gottes Angesicht zu treten. Er kann nicht leicht weggerollt werden. Menschen erinnern sich im Blick auf diesen Stein an Lebensereignisse wie Taufe, Kommunion oder Konfirmation, die sie hier zusammengeführt haben mit lieben Menschen.

In Exodus 29, 34 verspricht Gott dem Mose, was er mit den Menschen und dem Ort machen will, an dem sie sich zu ihm versammeln: „Ich will die Stiftshütte und den Altar heiligen und Aaron und seine Söhne heiligen, dass sie meine Priester seien.“ Heiligkeit bedeutet hier: Gott ist da. Seine Gegenwart verändert uns. Wir, jede/r von uns ist besonders, weil Gott uns nahe ist.

Steine sind verbunden mit Geschichten und mit Menschen. Der Gemeindepädagoge Stefan Wurth ist in seinem Podcast zur Auferstehungskirche mit dem Blick auf die interessanten Steine gestoßen, aus denen der Boden der Kirche besteht. Er fand darin eingeschlossen Fossilienreste, Spuren uralten Lebens. Immer weiter ging das Leben aus Gottes unergründlichem Plan, bis zu uns hin, die wir auf oft steinigen Wegen gehen.

Vielleicht finde ich, wenn ich jetzt aufbreche, einen interessanten, nicht zu leichten Stein, der aus dem auftauenden Schnee hervorkommt. In den ökumenischen Alltagsexerzitien (www.oekumenische-alltagsexerzitien.de) für diese Fastenzeit ist der Impuls für den ersten Tag, sich aufmerksam umzuschauen: Sehe ich etwas, das ich mit an den Platz für meine tägliche Stille Zeit legen will?

Ich bin gespannt, was Gott vorhat mit mir, mit uns, mit Ihnen, die Sie diese Zeilen lesen. Dafür braucht es Zeit, aber Gott hat ja Zeit. Und auch die Steine, die ich betrachte, hatten zu ihrer Entstehung viel Zeit. Wenn Ihre eigene Lebensgeschichte, liebe Leserin und lieber Leser, sich in einen Stein eingegraben hätte, wie sähe dieser Stein wohl aus?

Wie schon angedeutet: Lavasteine sind sehr fruchtbar. An den Hängen des Ätna wachsen Wein und Oliven und der einzigartige Ätnaginster. Am Altar wachsen Menschen im Glauben, wenn sie ihre Poren öffnen für das Wasser des Lebens, Christus, und sich wärmen und erhellen lassen vom Feuer des Heiligen Geistes. Gott segne Sie, liebe Leserin und lieber Leser!

Ihr Pfarrer Martin Hild, Evangelisch-Lutherische Auferstehungskirche Münnerstadt

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